Regeneration

Training trotz Schmerzen: Wann anpassen und wann pausieren?

Tina Rölli·1. September 2026 ·4 Minuten Lesezeit
Die kurze Antwort

Schmerzen bedeuten nicht automatisch komplettes Trainingsverbot. Häufig lässt sich Belastung sinnvoll anpassen. Vorausgesetzt, ernsthafte Ursachen werden ausgeschlossen und die Reaktion auf Belastung wird beobachtet.

Tina Rölli korrigiert die Griffposition am Handgelenk einer Kundin

Handgelenk, Ellbogen, Knie oder Schulter melden sich und sofort stellt sich die Frage: Darf ich überhaupt noch trainieren? Eine pauschale Antwort wäre unseriös. Schmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Gleichzeitig ist vollständige Ruhe bei vielen muskuloskelettalen Beschwerden nicht automatisch die beste Lösung. Moderne Rehabilitation arbeitet häufig mit angepasster, progressiver Belastung. Entscheidend ist, zwischen einer trainierbaren Situation und Beschwerden zu unterscheiden, die ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt werden müssen. Und genau hier setzten wir auch im Personaltraining an, dein Training kann auf deine Gegebenheiten angepasst werden.

Schmerz ist ein Signal, aber keine genaue Schadensanzeige

Schmerz wird von vielen Faktoren beeinflusst: Gewebebelastung, Entzündung, Schlaf, Stress, frühere Erfahrungen und das Nervensystem spielen zusammen. Deshalb kann die Stärke eines Schmerzes nicht eins zu eins mit dem Ausmass einer Gewebeschädigung gleichgesetzt werden. Umgekehrt darf Schmerz aber auch nicht ignoriert werden. Er liefert relevante Information darüber, wie gut eine aktuelle Belastung toleriert wird oder eben auch nicht.

Wann sollte Training zunächst gestoppt oder abgeklärt werden?

Nach einem akuten Trauma, bei deutlicher Schwellung, Instabilität, neurologischen Symptomen wie Taubheit oder Kraftverlust, starken Ruheschmerzen, Fieber oder rasch zunehmenden Beschwerden sollte eine medizinische Abklärung erfolgen. Gleiches gilt, wenn Schmerzen über längere Zeit bestehen, sich trotz Anpassung verschlechtern oder die normale Funktion deutlich einschränken. Personal Training ersetzt keine Diagnose.

Warum Belastungsanpassung oft sinnvoller ist als komplette Pause

Bei vielen Überlastungsproblemen, zum Beispiel bestimmten Tendinopathien, ist progressives Belastungstraining ein zentraler Bestandteil konservativer Therapie. Systematische Reviews zeigen, dass dosiertes Training und Load Management bei Sehnenbeschwerden Funktion und Schmerz verbessern können. Das bedeutet jedoch nicht: „Trainiere einfach durch". Stattdessen wird die Belastung so gewählt, dass sie tolerierbar ist und im Verlauf gesteigert werden kann und genau das machen wir bei YUNA Sports & Nutrition.

Welche Stellschrauben können verändert werden?

In der Praxis gibt es mehr Optionen als nur „machen" oder „nicht machen". Man kann den Bewegungsradius verändern, das Trainingsgewicht reduzieren, Wiederholungszahl und Satzvolumen anpassen, eine andere Griffposition wählen, das Tempo verändern oder die Übung vollständig austauschen. Bei Kniebeschwerden kann beispielsweise eine bestimmte Kniebeugevariante unangenehm sein, während eine andere Belastungsform gut funktioniert. Bei Ellbogenbeschwerden kann ein neutraler Griff besser toleriert werden als eine stark pronierte oder supinierte Position. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom individuellen Befund ab.

Nicht nur die einzelne Einheit betrachten

Wichtig ist die Reaktion in den Stunden und am Tag nach dem Training. Wenn Beschwerden nach jeder Einheit deutlich zunehmen, die Funktion schlechter wird oder die Symptome von Woche zu Woche eskalieren, ist die Belastung wahrscheinlich zu hoch oder die Übung nicht passend. In der Rehabilitation werden deshalb häufig Symptom- und Belastungsverläufe beobachtet, anstatt nur den Schmerz während einer Wiederholung zu beurteilen.

Training um die Beschwerde herum

Auch wenn eine Region vorübergehend weniger belastbar ist, kann häufig der Rest des Körpers weitertrainiert werden. Eine Handgelenksproblematik bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass Beine, Rumpf oder Ausdauer pausieren müssen. Das kann Leistungsfähigkeit erhalten und hilft vielen Menschen auch psychologisch, im Trainingsrhythmus zu bleiben. Übungen, Trainingsplan alles kann angepasst werden und genau das ist der Vorteil beim Personaltraining.

Darf eine Übung während der Rehabilitation etwas wehtun?

Auch darauf gibt es keine universelle Zahl. In manchen Rehabilitationsprotokollen werden geringe bis moderate Schmerzen während einer Belastung toleriert, sofern Symptome anschliessend nicht deutlich eskalieren. Andere Situationen erfordern schmerzfreie Belastung. Entscheidend ist der konkrete Befund. Deshalb sollte ein Personal Trainer bei diagnostizierten Verletzungen eng mit behandelnden Ärzt:innen oder Physiotherapeut:innen zusammenarbeiten, statt eigenständig Schmerzgrenzen festzulegen. Was in einer Achillessehnen-Tendinopathie sinnvoll sein kann, lässt sich nicht automatisch auf akute Gelenkverletzungen oder neurologische Beschwerden übertragen, ist immer Kontext abhängig und sehr individuell.

Belastbarkeit wieder aufbauen statt nur Symptome vermeiden

Langfristig ist das Ziel nicht, jede Bewegung zu vermeiden, die irgendwann Beschwerden ausgelöst hat. Ziel ist, die Belastbarkeit schrittweise wieder zu erhöhen. Das kann zunächst mit einer leichteren Variante beginnen und später wieder in die ursprüngliche Bewegung übergehen. Entscheidend ist, dass Anpassungen einen Plan haben und nicht zu dauerhafter Angst vor Bewegung führen.

Fazit

Die beste Lösung bei Beschwerden ist selten ein pauschales „durchziehen" – aber genauso selten automatisch völlige Inaktivität. Ziel ist eine Belastung, die aktuell verträglich ist und schrittweise wieder gesteigert werden kann. Bei unklaren, akuten oder anhaltenden Schmerzen gehört die Diagnose jedoch in medizinische oder physiotherapeutische Hände.

Ein individuell angepasstes Training kann helfen, trotz Einschränkungen sinnvoll aktiv zu bleiben, immer innerhalb der jeweiligen fachlichen und medizinischen Grenzen.

Tina Rölli
Coach-Tipp von Tina

Dokumentiere nicht nur, ob es während einer Übung wehgetan hat, sondern auch Intensität, Umfang und die Reaktion am folgenden Tag. So entsteht ein wesentlich besseres Bild der tatsächlichen Belastungsverträglichkeit.

Quellen
  • Lin I et al. What does best practice care for musculoskeletal pain look like? British Journal of Sports Medicine, 2020.
  • Núñez-Martínez P, Hernández-Guillen D. Management of Patellar Tendinopathy Through Monitoring, Load Control, and Therapeutic Exercise. Journal of Sport Rehabilitation, 2022.
  • Breda SJ et al. Load progression criteria in exercise programmes in lower limb tendinopathy. British Journal of Sports Medicine, 2021.
  • Lucado AM et al. Lateral Elbow Pain and Muscle Function Impairments: Clinical Practice Guideline. JOSPT/APTA, 2022.

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Tina Rölli
Tina Rölli

Personal Trainerin & Ernährungscoach in München, über sechs Jahre Erfahrung. Trainiert 1:1 im privaten Studio in der Maxvorstadt.